Das Falkensteiner Bockerl
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Die Eröffnung

 

 

Bockerl im Falkensteiner Bahnhof mit Ehrengästen (16.12.1913)

Bockerl im Falkensteiner Bahnhof mit Ehrengästen (16.12.1913)
Im Hintergrund Kirchturm und Burg (Foto: Johann Dietl)

Am 16. Dezember 1913 wurde die technische Prüfung der fertigen Lokalbahn in ihrer ganzen Länge von 35,4 Kilometern durchgeführt. Am Sonntag, 21. Dezember 1913 fand die offizielle Eröffnungsfeier statt. Der 22. Dezember gilt als Betriebsbeginn. Bei strengem Frostwetter fuhr ein festlich geschmückter Extrazug von Regensburg-Wutzlhofen nach Falkenstein hinauf.

Sonntag, 21.12.1913

Die offizielle Eröffnung fand am Sonntag, dem 21.12.1913 statt. Vor der Eröffnung waren auf den fertiggestellten Teilstrecken bereits einige Güterzüge gefahren, die z. B. mehrere Hundert Zentner Düngerkalk für die Darlehenskassenvereine Ebersroith, Brennberg und Arrach transportiert hatten. Die technische Prüfung der Gesamtstrecke nahm am 16.12.1913 eine Kommission mit Regierungsrat Gumprich von der Eisenbahndirektion Regensburg und mit Bauoberleiter Direktionsrat Höhn ab. Der Eröffnungszug fuhr vom Regensburger Hauptbahnhof los. In Wenzenbach hielt er zum ersten großen Empfang an.
Fast die ganze Einwohnerschaft empfing den festlich geschmückten Zug. Nach den Liedern der Musikkapelle, den von Mädchen vorgetragenen Gedichten, den Böllerschüssen und den Worten des Bürgermeisters kamen endlich auch alle Wenzenbacher zu Wort und brachen in "ein brausendes Hoch auf den Landesherren" aus.
Die Bahn setzte ihre Fahrt fort und wurde in jeder Ortschaft bejubelt. In Falkenstein waren alle aus nah und fern zusammengeströmt, um die Ankunft des mit Tannengrün bekränzten Eisenbahnzuges zu feiern. Nach der Willkommensansprache des Bürgermeisters marschierte der Festzug über den festlich geschmückten Markt zum Gasthof "Zur Post". Dort durften sich dann 70 Festgäste am Festmahl laben, gemeinsam mit den Vertretern der Marktverwaltung und mit der Geistlichkeit von Falkenstein, mit den Bürgermeistern von Regensburg, mit den Vertretern des Bezirksamtes, mit dem Landadel der Gegend und den Vertretern der Eisenbahndirektion. Im Saal wurden alle Persönlichkeiten, die sich irgendwie um den Bau der Lokalbahn verdient gemacht hatten, vom "Motor" der Eisenbahn, Benefiziat Kilger, aufgerufen. Dieser wiederum durfte für sein Engagement für die neue Eisenbahn den Dankeslobspruch des 1. Bürgermeisters von Regensburg, Dr. Geßler, entgegennehmen. Gedankt wurde ausdrücklich auch den königlichen Eisenbahnbeamten, die dieses Werk so gründlich und schnell zu Ende gebracht hätten. Die Strecke war drei Monate früher als geplant fertig gestellt worden. Am späten Nachmittag stampfte der mit Gästen überfüllte Zug unter nicht endenden Hurrarufen und bei blendenden Abendrot nach Regensburg zurück.

"Seid willkommen, hohe Herren, seid gegrüßt viel tausendmal,
willkommen winken Euch dei Bäume, willkommen hallt es von Berg zu Tal.
Uns ist jetzt die Welt erst offen, die verschlossen unserem Sinn;
andern ist der Born erschlossen, der da bringt viel Schönheit drin!
Reich anSteinene ist die Heimat, arm an Geld ist jedes Kind,
darum bitten wir die Herren, daß sie uns recht gnädig sind!
Lasßt uns Ratisbona schauen, doch die Fahrt, die gebt uns frei!
Ja wir bitten Euch recht herzlich, daß es nicht vergeblich sei!
Statt des Geldes nehmt die Freude, nehmt den Dank für unsere Fahrt!
Hunderte von Kehlen jubeln dem, durch den die Freud' uns ward!"

Mit diesem gedicht begrüßte die damals 10 jährige Bürgermeisterstochter die Fahrgäste des Eröffnungszuges in Falkenstein

Am nächsten Tag gehörte die Eisenbahn dann tatsächlich den Kindern, denn alle an der Bahnstrecke liegenden Schulen durften an diesem Tag kostenlos nach Regensburg fahren und im Bischofshof auf Kosten der Bayerischen Staatsbahn einen Teller Erbsensuppe und ein Paar warme Knackwürste essen.
In den nächsten Tagen waren auch noch Freifahrten für Erwachsene vorgesehen, bis dann schließlich der planmäßige Verkehr einsetzte. Mit der neuen Lokalbahn wurden die Postlinien nach Wörth und nach Cham eingestellt.
Wenige Monate später begann der 1. Weltkrieg. Die Bewohner des Bayerischen Vorwaldes hatten es gerade noch vorher geschafft, ihre Eisenbahn fertiggestellt zu bekommen. Der Krieg kostete viel Geld und Menschenkraft, so daß die Falkensteiner lange auf eine Eisenbahn hätten warten müssen. Die Lokalbahn Wutzlhofen-Falkenstein gehörte zu den letztgebauten Bahnen in Ostbayern.

Eine Zeitzeugin berichtet

Frau Grichtmeier ist Anfang 2002 im gesegneten Alter von fast 101 Jahren gestor-ben. Anfang der 90er Jahre hat sie folgendes erzählt (entnommen aus der Broschüre „Städtebauförderung in der Oberpfalz – Markt Falkenstein“):

Die Bahn ist 1913 eröffnet worden, da war ich 12 Jahre alt. Es war ein großes Erlebnis, weil wir mit der Schule mit einem Sonderzug nach Regensburg fahren durften. Für die Bauarbeiter habe ich fast jeden Tag mit dem Leiterwagerl das „Zechbrot“ aus unserer Bäckerei in die Kantine hinfahren müssen. Das war mir immer furchtbar z´wider, weil´s mich so dumm angeredet haben.
Die Bahn verdanken wir dem Brünndlherrn – das war der Pfarrer damals -, dem Kaufmann Schmalzl und dem Spengler Fritsch, die sind öfter nach München ins „Ministere“ gefahren und haben nachgesucht nach einem Bahnanschluß.
Aber nicht alle hier waren dafür. Viele Bauern haben gesagt, wir brauchen keinen Zug, da fliegen die Funken heraus und zünden unseren Wald an.
Die Falkensteiner sind eigentlich nur mit dem Zug gefahren, wenn sie auf ein Amt mußten oder zum Arzt. Aber Sommerfrischler sind dann von weit her gekommen, hauptsächlich von Sachsen und man hat sie Hoibazupfer genannt. Sie waren immer so begütert und alle haben sie Eimer dabei gehabt und „Hoiba“ (Heidelbeeren) gesammelt.
Gewohnt haben die Gäst´ damals in der „Post“ oder gegenüber beim „Schröttinger“, und ein paar private Fremdenzimmer gab es auch.

 

 

 
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